Nationalstolz ist etwas wunderbares. Es gibt einem Sicherheit, Selbstbewusstsein und Energie. In manchen Ländern ist er stark ausgeprägt, in anderen eher weniger. Deutschland ist berechtigterweise eines davon, aufgrund von damaligen Geschehnissen. Aus diesem Grund sind viele Deutsche größtenteils vorsichtig mit dem Umgang ihres Nationalstolzes. Dabei haben wir — abgesehen von der Historie von Deutschland—vieles, worauf wir stolz sein können. Deutschland liegt auf Platz 10 nach dem Best Countries Ranking 2018, besitzt ein breites Spektrum an Meinungen und Medien und man hat in diesem Land mit Abstand die besten Chancen auf gute Bildung.

Appell an Nationalstolz: Wahlplakat der SPD für ihren Spitzenkandidaten Willy Brandt (1972)

Es entstehen dabei viele Missverständnisse bei einigen Personen, wenn diese Fakten auf den Tisch gelegt werden. Man wird als Patriot beschimpft, gar rechtsradikal. Aber warum ist das so? Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Der scheinbare Rechtsruck in Europa – den es eigentlich gar nicht gibt – beängstigt viele Bürger. Rechtsradikale/–populistische Parteien oder Verbände nutzen diese Fakten für die Rechtfertigung ihrer gesellschaftsspalterischen Parolen aus. Diese sind natürlich einprägsam, und daher bleibt das im Kopf der Leute hängen. Das heißt konkret: Der deutsche Nationalstolz wird sofort mit etwas negativem verbunden. Dabei darf man auf diese Dinge stolz sein, die Deutschland ausmachen. Man darf wertschätzen, hier leben zu dürfen. Man darf stolz auf dieses Land sein. Dieser Stolz gerät leider in Vergessenheit, sodass wir immer weniger wertschätzen, das Privileg zu haben, hier leben zu dürfen.

Eine Sache scheint aber all dies auf den Kopf zu stellen, und zwar die Fußball-WM. Schlagartig sind viele Einwohner stolz auf die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft. Überall hängt die deutsche Flagge, Leute befestigen die deutsche Flagge sogar an ihre Autos. Aber sobald die WM vorbei ist, sind alle Merkmale vom Nationalstolz verschwunden.

Es ist vollkommen Legitim, nicht stolz auf sein Land zu sein. Das wird ja glücklicherweise von niemandem verlangt, jedoch ist Nationalstolz historisch bedingt, und in Deutschland längst nicht so ausgeprägt wie z.B. in der USA oder der Türkei. Dabei hat das nichts mit exzessivem Patriotismus zutun, sondern mit der Würdigung seines Landes. Daher sollte man lieber zweimal überlegen, ob man jemandem Patriotismus vorwirft.

Beteilige dich an der Unterhaltung

  1. Emre Karataş

2 Kommentare

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.