Wie die Überflussgesellschaft uns zu lebenden Toten macht

München an einem Freitagmorgen bei Sonnenaufgang; Fußgängerzone in der Leopoldstraße, Stadtteil Schwabing. Viele scheinbar in die Arbeit gehende Menschen befinden sich inmitten des Bürgersteigs. Zwei aus Amerika stammende Touristen gehen auf eine Frau, Mitte 30, zu. Sie fragen auf Englisch:

“Entschuldigen Sie für die Störung; wüssten Sie zufälligerweise, wo wir das BMW-Museum finden?”

Die befragte Dame antwortet:

“Ich weiß zwar wo sich das Museum befindet, den exakten Weg kann ich Ihnen aber leider nicht genau sagen. Einen Moment, lassen Sie mich kurz auf Google Maps nachschauen…”


Nun malen Sie sich einmal aus, wie dieses Szenario im frühen zwanzigsten Jahrhundert hätte aussehen können.

Durch diesen Gedankengang wird klar, wie stark sich unsere Gesellschaft im Laufe der Industrialisierung verändert hat. Und das ist noch längst nicht alles — diese Veränderungen bringen zwar enorme Vorteile mit sich, auf der anderen Seite sind die negativen Auswirkungen jedoch verheerend.

Durchgängige Abhängigkeit von unseren Smartphones

Um den Prozess des kognitiven Aussterbens der Gesellschaft verdeutlichen zu können, müssen wir zuallererst erkennen, wo das Problem liegt. Ein gutes Beispiel ist die Abhängigkeit von elektronischen Geräten in unserem Alltag.
Die Abhängigkeit fängt bereits in den Morgenstunden an; der Smartphone-Wecker reißt uns zunächst aus dem Tiefschlaf. Um ihn ausmachen zu können, muss man auf das grelle, stark bläuliche Display starren. Durch die in den Augen brennende Strahlung startet unser Tag mit lästigen Kopfschmerzen. Um informiert zu bleiben, haben wir die neuesten News-Apps auf unserem Smartphone installiert. Wir starren auf die aus winzigen Pixeln geformten Buchstaben — dadurch werden unsere Kopfschmerzen desaströser.
Am Mittag geht es dann weiter: Um unsere U-Bahn-Fahrkarte kaufen zu können, benötigen wir die entsprechende App.
Musik? Dazu benötigen wir, Sie können es schon ahnen, unser Smartphone. Die Wiedergabe der Musik erledigt anschließend Spotify.

Man kann die Liste unendlich fortführen, doch nun haben wir das Problem erkannt. Entgegen unserem Willen, Aufgaben und Dinge selbstständig zu bewältigen, sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir von vielen verschiedenen Faktoren abhängig sind.
Natürlich steht außer Frage, dass uns diese kleinen Geräte viele Vorteile einbringen — nur müssen wir darauf achten, uns nicht zu sehr von diesen abhängig zu machen. Der unkontrollierte Informationsfluss im Internet — seien es Enzyklopädien, Foren oder Soziale Medien — macht uns kognitiv zu faulen Lebewesen. Während noch vor 50 Jahren in der Kneipe am Stammtisch stundenlang getüftelt wurde, wer der Präsident der USA ist, ist es uns heute möglich, binnen Sekunden auf diese und jene Information zugreifen zu können.

Der Gang zum Arzt wird nach und nach verzichtbarer

Neuerdings gab es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einen Bericht über den Fortschritt der Künstlichen Intelligenz und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft. Inzwischen ist es sogar möglich, Radiologen mithilfe einer Erkennungsapp zu ersetzen. Man lädt einfach eine Röntgenaufnahme des Brustbereichs hoch, und innerhalb von mehreren Sekunden erhält man die gewünschte Diagnose. Man muss sich auch vor Augen führen, dass vor 7 Jahren diese Art der Erkennung noch nicht einmal möglich war. Sollte diese Art der Diagnostizierung sich weiterentwickeln, so wird der Gang zum Arzt für uns immer verzichtbarer.

Im Großen und Ganzen kann man verdeutlichen, dass der Überfluss an Informationen uns erhebliche Vorteile einbringt. Leider ist aber Realität, dass wir gedanklich an einem Stadium erreicht sind, an dem es uns möglich ist, ohne großartig nachdenken zu müssen diese und jene Information abrufen zu können.

Das hat verheerende Auswirkungen auf unser Gedächtnis — und auf die Art und Weise, wie wir mit dem generellen Nachdenken umgehen.

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